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Bekleidung von Gerüsten

                          

Wenn der Gerüstbauer sein Gerüst verhüllt, dann geschieht dies meistens nicht, weil er etwas zu verbergen hat, sondern weil er bzw. sein Auftraggeber etwas schützen oder  zeigen möchte.

 

Was kommt als schützenswertes Gut in Frage? Grundsätzlich kommen drei Schutzinteressen in Betracht:

  • Schutz des Bauwerks vor äußeren Einflüssen

  • Der Schutz der Umwelt vor Emissionen, die hinter der Bekleidung entstehen

  • Bekleidung von Gerüsten, die als Bühne verwendet werden sollen.

 

Gerüstbekleidung, Reklame.jpg (41696 Byte) In einigen Fällen werden mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt. So dienen an Gerüsten angebrachte Netze auch als Werbeflächen oder werden dazu benutzt, zu demonstrieren, was sich dahinter verbirgt  oder eventuell einmal entstehen soll. So zeigten die Befürworter des Wiederaufbaus des Stadtschlosses in Berlin mit Hilfe einer bemalten Verkleidung, die an einer Gerüstkonstruktion angebracht wurde, wie gut sich das Schloss in das Ortsbild einfügen würde. Auf diese Weise würde, so hoffte man, die Zahl der Befürworter dieser Idee, ansehnlich steigen.

 

wpe2.jpg (3188 Byte)

Während in früheren Zeiten Gerüste mit Sackleinen verhängt wurden, stehen heute verschiedene Materialien zur Verfügung:

  • Gerüstschutznetze

  • Planen

  • Abdichtungselemente

Ihr Einsatz hängt vom gewünschten Verwendungszweck ab.

Gerüstschutznetze sind je nach Maschenweite und verwendetem Material mehr oder weniger licht-, luft- und winddurchlässig. Dennoch bieten sie einen gewissen Schutz gegen Witterungseinflüsse. Sie bieten ausreichenden Widerstand gegen Hagel und Schnee; Schlagregen wird im Gewebe zerstäubt und kann z.B. bei Anstricharbeiten keinen Schaden anrichten. In gewissem Umfang fangen Netze wegfliegendes Material, z.B. beim Abschlagen von Putz oder beim Auftragen von Farbe auf.

Gerüstbekleidung mit Planen.jpg (81086 Byte)

Planen haben ähnliche Eigenschaften wie Netze, sind jedoch bei gleicher Lichtdurchlässigkeit dichter und können als Wetterschutz eingesetzt werden. Öffnungen für Arbeits-, Verkehrs- und Transportwege lassen sich problemlos herstellen.

Eine Steigerung der Wind- und Regendichtheit wird mit so genannten Kederplanen erreicht. Die Randeinfassung der Plane besteht aus einem Keder, einem an der Plane befestigten Rundstab, der in der Kederschiene geführt und gehalten wird.

Layher Protect Aussen.jpg (43926 Byte)Eine technische Fortentwicklung stellt die Verkleidung mit Kassetten dar, die als komplettes System angeboten werden. Die Kassetten bestehen aus einem Rahmen, der wahlweise mit lichtdurchlässigem oder –undurchlässigen Platten ausgefüllt ist. Das System ist modular aufgebaut und auf die Feldweiten des Gerüstes des Anbieters abgestimmt.

Mit diesem System wird eine Steigerung der Wind- und Regendichtigkeit, sowie des Staubschutzes erreicht, nach Angaben des Herstellers lassen sich Lärmemissionen verringern und die Heizkosten reduzieren. 

Netze, Planen und andere Verkleidungen sind also vielseitig und nutzbringend einsetzbar. Dennoch gilt es, einiges zu bedenken: 

Die Dichtheit bringt auch Nachteile mit sich. Weil Netze, Planen und Verkleidungen wenig bzw. gar nicht winddurchlässig sind, sind die vom Gerüst aufzunehmenden Windkräfte sehr hoch und müssen vor allem bei der Verankerung, aber auch bei der Befestigung der Bekleidungen am Gerüst berücksichtigt werden. Wie stark der Wind auf die Bekleidungen einwirkt, konnte man im vergangenen Herbst und Winter feststellen; in diesem Zeitraum haben sich etliche Schadensfälle ereignet, wobei sich im günstigsten Fall nur Netze oder Planen von den Gerüsten lösten, ohne weiteren Schaden anzurichten. 

Allgemein gültige Angaben über die Erhöhung von Ankerkräften oder der Zahl der Verankerungspunkte lassen sich nicht machen, außer, dass die aufzunehmenden Kräfte bis zum Fünffachen des normalen Wertes eines unbekleideten Gerüstes ansteigen. Art, Höhe und Form des Gerüstes sind dabei zu berücksichtigen und es kommt natürlich auch noch auf die Lage des Gerüstes an. So wird man in Küsten- oder Bergregionen mit überdurchschnittlichen Windeinflüssen rechnen müssen, insbesondere, wenn das Gerüst ungeschützt steht. Daneben spielt, was die Wahrscheinlichkeit stärkerer Stürme anbelangt, auch die Jahreszeit eine Rolle. 

Für übliche Einsätze finden sich in den Aufbau- und Verwendungsanleitungen der Hersteller von Systemgerüsten Angaben zur Aufnahme der Windkräfte. Diese können sich nicht nur auf Ankerkräfte und Zahl der Ankerpunkte beziehen, sondern auch Hinweise für weitere notwendige Einbauten, wie z.B. zusätzliche Verstrebungen enthalten.

DIN 4420 Teil 3 enthält Angaben über die Verankerung bekleideter Stahlrohr-Kupplungsgerüste. 

In allen anderen Fällen muss ein Standsicherheitsnachweis erbracht werden; soweit die Standsicherheit nicht aufgrund eigener fachlicher Erfahrung beurteilt werden kann. Sollten trotz dieser fachlichen Erfahrung Fehler auftreten, wird allerdings schwer zu beweisen sein, dass diese nicht überschätzt wurde.

Bei bekleideten Gerüsten gewinnt die Prüfung der Verankerungen besondere Bedeutung. Bei unbekleideten Gerüsten kommt es selten zu Schäden, wenn die Verankerungen regelkonform eingebaut wurden. Hier verhindern die stillen Reserven ein größeres Malheur. Da im Falle eines Sturmes die Belastungen auf die Verankerungen voll zum Tragen kommen können, sollten die Prüfungen bei bekleideten Gerüsten sorgfältig durchgeführt werden, um ein Versagen auszuschließen.

Zur Befestigung der Bekleidungen müssen die Angaben des Netzlieferanten befolgt werden. 

Keinesfalls ersetzen Netze oder andere Verkleidungen den Seitenschutz im Gerüst. Sollen sie es dennoch tun, muss auch hier wieder ein Nachweis geführt werden.Layher Protect Innen.jpg (38008 Byte)

Das Raumklima, das sich hinter oder unter einem mit Planen verkleideten Gerüst bildet, kann so unangenehm werden, daß gegebenenfalls Belüftungsmaßnahmen getroffen werden müssen. Andererseits verhindert eine dichte Plane bei beheizten Wetterschutzhallen das allzu schnelle Entweichen der aufgewärmten Luft.

Gefahrstoffe und Emissionen, die bei Arbeiten im Freien ohne Bedeutung für die Gesundheit sind, können in den durch Bekleidungen nunmehr vorhandenen teilweise engen Räumen gefährliche Konzentrationen annehmen, so dass entsprechende Schutzmaßnahmen zu treffen sind.

 

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